KOMMT... - Suchtkrankenhilfe Crottendorf e.V.

Aktivitäten

Hallo, mir geht’s gut!

von Roland Fritzsch

Ich sitze am Schreibtisch, viel Arbeit vor mir liegend, das Telefon klingelt schon wieder. Etwas unwillig nehme ich den Höre ab und höre eine fröhliche Frauenstimme am anderen Ende sagen: „ Hallo, mir geht’s gut!“

So eine Begrüßung ist nicht alltäglich, meistens höre ich als Erstes Hilferufe.
Vor fast fünf Jahren habe ich diese Frauenstimme zum Ersten mal, auch am Telefon, gehört. Etwas schüchtern und leise fragend: „ Ich komme von einer Entwöhnungsbehandlung und suche eine Selbsthilfegruppe. Können sie mir helfen?
Sie hatte kein Fahrzeug, auch heute noch nicht, und wohnt zwölf Kilometer von Crottendorf entfernt. Ich habe sie von zu Hause abgeholt und in unsere Friedenskirche in die Selbsthilfegruppe KOMMT… Suchtkrankenhilfe mitgenommen.
Diese Frau war damals auf der Suche nach Gemeinschaft, Geborgenheit, inneren und äußeren Halt für ein neues, sinnvolles Leben.
Sie ist bei uns geblieben, hat Fuß fassen können in unserer Gemeinschaft und fühlt sich sehr wohl dabei. Viele Dinge haben sich in ihrem Leben inzwischen  zum Guten gewendet. So auch die Beziehung zu Gott, zum Glauben und zur Kirche.
Durch ihr Nein zum Alkohol und ihr Ja zum Leben, sind ihr die Augen geöffnet worden.
Sie hat sich auf die Suche gemacht und hat Jesus gefunden. Sie hat sich auf etwas Neues eingelassen, was sie nicht mehr kannte, nicht mehr wollte.
Unsere Gruppenstunden, bei KOMMT…, ist ihr zu einer Tankstelle geworden. Hier tankt sie neu auf, schöpft sie neue Kraft, für den Alltag, die Arbeit und für den Dienst, den sie an anderen Menschen tut. Im Laufe der Jahre ist sie ein lebendiger Zeuge für die Arbeit in der Suchtkrankenhilfe geworden. Zeuge dafür, dass der Glaube an Jesus Christus wirklich helfen und befreien kann. Vier Jahre schon leitet sie einen kleinen Hauskreis, still und bescheiden aber mit einer Freude im Herzen, wo  man merkt hier brennt ein Mensch, sein Erlebtes, seine Freude anderen weiterzugeben. Dieses Jahr hat sie sich in unserer Gemeinde, als Mitglied aufnehmen lassen. Sie hat ihren Weg, ihre kirchliche Heimat gefunden.
Wenn sie nicht gerade arbeiten muss und sie niemanden hat, der sie zum Gottesdienst abholt, dann läuft sie die zwölf Kilometer durch den Wald, um Gottes Wort zu hören, neu aufzutanken.
Natürlich gehen auch bei ihr die Alltagssorgen nicht spurlos vorbei, natürlich fällt auch ihr die Decke auf dem Kopf und Ratlosigkeit ist angesagt. Dann geht sie hinaus in die Natur, in ein schönes Tal, und betet, redet mit Gott. Sie kommt zur Ruhe und staunt oft über die wunderbare Schöpfung Gottes. In einem Brief hat sie mir dies alles beschrieben. Die Schmetterlinge hatten ihr es angetan. Die Entstehung von der Raupe bis hin zum schönen Schmetterling. Sie schreibt: „ Ich staune über diese Vielfalt und denke, wie viel Fantasie doch wohl unser Schöpfer haben muss, sich so etwas auszudenken. So wunderbar können auch wir Menschen eine neue Schöpfung werden. Der gleiche Gott, der aus einer Raupe einen Schmetterling werden lässt, möchte auch aus uns neue Menschen machen. Zwar lässt uns Gott keine Flügel wachsen, aber ich kann mich noch sehr gut erinnern, es war als ich Jesus in mein Leben ließ. Wie beflügelt ich war. Endlich war da eine Hoffnung, endlich konnte und wollte ich leben. Meine ganze Schuld, die ganze schwere Last, die ich viele Jahre mit mir herumgeschleppt habe, konnte ich Jesus bringen, konnte neu anfangen. Es tat zuerst weh, zu erkennen, wo Schuld und Sünde waren. Es hat mich fast erdrückt, bis ich beinahe nicht mehr leben wollte (einfach unter die Erde, einfach weg).
Ich durfte die Gnade Gottes erfahren, und seine wunderbare Liebe erleben.“

Den Alltag mit Gott gestalten, in der Bibel lesen, die Gemeinschaft mit Christen erleben, dies alles lässt Freude aufkommen.
Eine Frau erlebt persönlich die Auferstehung Jesus.
Sie merkt und spürt selbst,
wie das Wort aus

2.Kor. 5, 17,

„ Ist jemand in Christus,
so ist er eine neue Kreatur,
das Alte
ist vergangen,
siehe Neues ist geworden.“

in ihr anfängt zu arbeiten und zu wirken .


Roland Fritzsch
Crottendorf



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