KOMMT... - Suchtkrankenhilfe Crottendorf e.V.

Aktivitäten

Der Weg in die Sucht und aus der Sucht heraus

von Roland Fritzsch

Sucht hat viele Gesichter, viele verschiedene Seiten und die Entstehung einer Sucht ist so vielfältig, wie die Menschen, die sie durchleben.
Die Mutter einer 16 Jährigen hat mich angerufen und um ein Gespräch gebeten.
Sie war sehr verzweifelt, weil sie mit ihrer Tochter nicht mehr klar kommt.
Die Tochter, sie raucht, trinkt und kifft, kommt selten nach Hause und lässt nicht mehr mit sich reden.

Ich habe einen Termin mit der Mutter ausgemacht und besuche sie und ihre Tochter.
Wir reden miteinander. Wir reden sogar sehr lange miteinander und am Ende des Gespräches, nach zwei Stunden, gehe ich nachdenklich und bewegt nach Hause.
Das Mädchen raucht und trinkt regelmäßig, seitdem sie elf Jahre ist, mit 13 Jahren ist sie mit Haschisch in Berührung gekommen und kommt nicht mehr davon los.
Die Clique, der Freundeskreis, hält sie regelrecht gefangen.
Sie will dazugehören – aber auch gleichzeitig ausbrechen, loslassen.
Sie will diesen Weg, den sie gerade geht, verlassen, das aber fällt ihr zum jetzigen Zeitpunkt, schwer, sehr schwer.
Es ist schon mutig, wenn jemand neue Wege sucht und aus dem Kreislauf der Sucht ausbrechen will.

Wir kennen ja die Geschichte von dem breiten und dem schmalen Weg.
In unserer Zeit und in unserm Land gibt es so viele breite und verführerische Wege, in denen es nur so von verlockenden Angeboten wimmelt. Es ist ja auch so einfach und bequem, diese Wege zu gehen, und viele können diesen Verlockungen der Welt nicht widerstehen. Sie probieren, sind neugierig, lassen sich überreden und merken nicht, wie sie sich langsam aber sicher, in das Fahrwasser einer Sucht hinein bewegen. Sucht macht vor keinem halt. Sucht kennt nicht arm und reich, nicht jung und alt. Sucht macht vor keinem Beruf und auch nicht vor uns Christen halt. Gerade hier sind wir ständig der Versuchung ausgesetzt, schwach zu werden. Es ist etwas wunderbares, wenn ich mich dann in solchen Situationen der Anfechtungen, an den erinnern darf, der mir hier hilft: Jesus Christus.

Der Weg mit Jesus, das ist nicht der breite bequeme Weg.
Es ist der schmale, manchmal auch unbequeme Weg, der uns so manches im Leben abverlangt. Wer sich aber auf diesem Weg mit Jesus begibt, sich darauf einlässt, Neues zu wagen, der wird erleben, wie wunderbar es sein kann, aus dem Kreislauf der Sucht auszubrechen.
Und dieses Angebot,- sich einzulassen auf einem neuen Weg zu gehen, das ist es, was wir in unseren Selbsthilfegruppen in unseren Gemeinden, wo es die Arbeit der Suchtkrankenhilfe gibt, versuchen zu vermitteln und weiterzugeben.
Wo Menschen, Veränderungen in ihrem Leben zugelassen haben, wo sie das Alte abgelegt haben, da ist Neues entstanden: Siehe, ich mache alles neu. Dieses Wort hat für manchen von uns eine ganz neue und wunderbare Bedeutung bekommen. Das höre ich, wenn Menschen die Freiheit von der Sucht erleben dürfen und dies auch aus ehrlichem Herzen bezeugen.
Wenn Menschen sich aufmachen und sich mit Fragen des Glaubens beschäftigen und erkennen, hier habe ich etwas entdeckt, was ich Heimat nennen darf.
Ich möchte uns Mut machen, so wie ich auch dem jungen Mädchen und ihrer Mutter Mut gemacht habe, sich mehr mit dem Thema Sucht zu beschäftigen, sich zu informieren und in unseren Gemeinden mitzuarbeiten. Damit wir uns gegenseitig stärken und ermutigen, wenn der Nächste neben mir in die Versuchung kommt, in den Kreislauf der Sucht zu geraten.
Hilfe ist möglich, Wege werden gezeigt und Türen werden sich öffnen. Wir müssen nur bereit sein loszulaufen, dann wird wirklich neues Leben entstehen.


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