KOMMT... - Suchtkrankenhilfe Crottendorf e.V.

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Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.

Andachten von Olf Tunger  


Aus der Tiefe rufe ich,
HERR, zu dir. /

2 Herr, höre meine Stimme!
Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

3 Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst –
Herr, wer wird bestehen?

4 Denn bei dir ist die Vergebung,
dass man dich fürchte.

5 Ich harre des HERRN, meine Seele harret,
und ich hoffe auf sein Wort.

6 Meine Seele wartet auf den Herrn
mehr als die Wächter auf den Morgen;
mehr als die Wächter auf den Morgen

7 hoffe Israel auf den HERRN!
Denn bei dem HERRN ist die Gnade
und viel Erlösung bei ihm.  (Psalm 130)


Es gibt ein Wort, dass in unseren Ohren nicht besonders freundlich klingt – das Wort Buße. In jedem Kalenderjahr gibt es ihn noch, den Buß- und Bettag. Als Feiertag ist er schon längst abgeschafft, außer in Sachsen. Ich hatte  den Eindruck - traurig waren die meisten eher nicht, einmal abgesehen davon, dass es wieder ein Feiertag weniger war.

Buße - das klingt nach zerknirschten Menschen, die sich oder andere eines falschen Lebens anklagen. Und was hängen bleibt von dem Wort Buße ist der Bußgeldbescheid. Zu schnell gefahren, ohne Parkuhr geparkt - das Knöllchen klemmt hinter dem Scheibenwischer. Man denkt - was hast du denn nun schon wieder falsch gemacht? Irgendwann kommt der Bussgeldbescheid und man muss zahlen, zur Busse bezahlen für ein Vergehen.

So was prägt das eigene Denken und Empfinden. Es prägt auch mein Denken über Gott. Ist er der Knöllchenverteiler, der Ordnungsmann, von dem dann Post kommt?

Nein, gerade das ist er nicht.
Und der Buß- und Bettag ist schlicht ein Angebot, inne zu halten, sich Zeit zu nehmen um zu sortieren. Es muss nicht dieser Tag sein, es können auch andere sein.
Das Wort "Buße" meint eigentlich nichts anderes, als sich neu ausrichten, das Innere neu zu sortieren und dabei Gott in Anspruch zu nehmen.

In der Bibel gibt es sogenannte Bußpsalmen. 7 an der Zahl. Einen habe ich vorhin gelesen. Hier betet ein Mensch voller Sehnsucht:

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. /
Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

Ich weiß nicht was, aber irgendetwas ist in seinem Leben schiefgegangen. Selbstverschuldet oder nicht? Ich weiß es nicht. Es spielt auch keine Rolle für eigenes Fragen.
Wie bin ich jetzt dran mit dem Leben?
Welche Rolle spielt Gott bei dem, was ich jetzt erlebe, wo ich jetzt durch muss? Wie kriege ich das gebacken?
Leider gibt es immer wieder gut gemeinte Ratschläge, deren Rat nicht selten für die Betroffenen zu Schlägen werden. Jemand erzählte während eines Krankenhausaufenthaltes von vielen solchen gut gemeinten Ratschläge: "Du musst nur richtig glauben und es wird alles gut." hieß einer.
Sie hat sich darüber sehr geärgert. Denn erstens glaubte sie gern an Gott. Aber ihr Weg zeigte ihr auch: Der Glaube ist keine Pille, die man runter schluckt und dann ist alles anders.

Der Beter aus Psalm 130 findet seinen Weg. Er hält Gott sein Leben einfach hin. Schau, Gott, so gehts mir jetzt. Ich warte auf dich. Ich will, ich kann nicht ohne dich weitergehen.
Und er weiß - Gott ist nicht gegen ihn. Er ist nicht der Knöllchenverteiler, sondern er geht mit, nimmt teil, leidet mit. Darin ist er uns Menschen aber zugleich ganz nahe.

Nein, ich selber kaue auch manchmal daran, dass ich mich frage: Wie passt das jetzt mit Gott zusammen? Warum musste das so passieren? Ich habe keine Antwort. Das Leben, so muss ich feststellen, ist wie es ist - mit viel Schönem, aber auch mit all dem, was uns so zu schaffen macht. Aber ich erlebe in meinen Glauben, dass Gott uns nahe ist - nicht nur in den guten Zeiten, sondern auch in den Anderen. Und manchmal ist es so wie bei dem Beter, der sich dann voller Sehnsucht nah Gott ausstreckt.

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. /
Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!
 - um dann zu erleben: Bei dir ist Barmherzigkeit, ist Güte, ist Erlösung.

Von dem Liederdichter Gerhard Tersteegen stammt das Lied "Gott ist gegenwärtig. Er beschreibt  in den letzten Strophen seine Art, wie er Gott erlebt, wenn er ihm sein Leben hinhält.

Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

Nebenbei gesagt hat mir ein Kollege diesen Liedvers vor Jahren ans Herz gelegt, vielleicht ohne es zu wissen. Wir standen gemeinsam mit dem Gesicht zur Sonne gerichtet und er zitierte langsam diese Worte Tersteegens. Und ich dachte - ja, das behältst du.

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